Licht und Schatten 

Die Wunder der richtigen Einstellung

Wer hat eigentlich diese To-Do-Listen erfunden, die kurioser Weise täglich länger statt kürzer werden? Die Schattenseiten einer To-Do-Liste: ein Punkt wird abgehakt, zwei weitere werden hinzugefügt… Der Trick? Sich mehr über das Abgehakte zu freuen, als sich über weitere Punkte zu ärgern…die weiteren Punkte als Ansporn sehen, statt als Überwältigung…

Inzwischen werden die Tage länger und doch sind sie nicht lang genug für all die Dinge, die wir erledigen möchten. Es ist nicht so, dass uns jemand hetzt und es ist auch nicht vieles, wozu wir gezwungen sind. Aber wir haben Ziele und Pläne und möchten wir ihnen näher kommen, dann müssen wir aktiv darauf zugehen. 

Ein ganz wichtiger Punkt beispielsweise ist die Sauna. Ja, richtig, wir haben die Sauna weit über die Badsanierung gestellt, denn wer braucht schon ein Badezimmer, wenn er eine Sauna haben kann!

In der Woche, in der wir beginnen, schaffen wir es, am Montag dran zu bleiben. Am Dienstag ist leider TÜV-Termin, am Mittwoch schaut der Nachbar vorbei und wir unternehmen einen Schneemobilausflug, am Donnerstag ist eh die Luft raus und am Freitag wird Geburtstag gefeiert. Eine Woche ist um und die Sauna sieht noch aus wie am Montag zuvor. Heute ist wieder Montag, aber die Büroarbeiten drängen. Außerdem hat es geschneit, also werden wir bald wieder räumen müssen. Noch dazu hat eine Dachlawine an der Hütte das Kaminrohr nach außen gedrückt, sodass es aus der Halterung gerissen wurde. Falls sich kurzfristig Gäste anmelden, sollten wir das also schleunigst wieder reparieren. 

Wir haben übrigens zwei Listen: eine für Tobi und eine für mich, wobei das nicht ausschließt, dass wir einander bei unseren Aufgaben unterstützen. 

Licht- und Schattenseiten der Hühnerhaltung

Die Tage im Februar waren interessant wechselhaft, mal war es bitterkalt, mal gab es Tauwetter, dann wiederum hat es geschneit bei etwa 0 Grad. Die Hühner haben in den vergangenen drei Wochen schon 15 Eier gelegt. Dabei muss beachtet werden, dass die Alten kaum mehr welche legen. Die meisten unserer Eier stammen jetzt von den zwei Junghennen. Ich betrachte das als großartige Leistung, denn schließlich ist Winter und und da benötigen die Hühner ihre gesamte Energie zur Selbsterhaltung – zumindest bei Temperaturen unter 5 Grad und die haben wir schließlich. 

Leider funktionieren unsere Euronester nicht so richtig – die Eier mit weicher Schale werden ab und zu trotzdem noch aufgepickt, obwohl sie eigentlich in die Schublade kullern sollten, bevor die Hühner dran kommen können. Jedes Mal, wenn ich eine kaputte Eierschale im Nest entdecke, ist das eine kleine Niederlage und manchmal, wenn ich so richtig negativ drauf bin, dann hadere ich innerlich. Warum haben wir alte Hühner, die weiche Eier legen und sie selber fressen? Ich sollte sie alle schlachten – aber das kann ich nicht. Also bekommen sie ihr Gnadenbrot und ganz tief im Inneren weiß ich, dass sie es meiner Meinung nach verdient haben. Bei dieser Einstellung bleibt der Kosten-Nutzen-Faktor außer Acht. Ich freue mich jeden Tag an meiner kleinen Hühnerschaar…

Ich werde die Nester aufhängen müssen, damit sie mehr Schräglage haben. Anschließend sollte ich eine Hühnerleiter anbringen. Wieder zwei Punkte für die To-Do-Liste – da geht mir bald der Platz drauf aus. Doch schließlich lohnt sich der Aufwand…bestimmt.

Der viele Schnee macht uns aber nicht nur Arbeit, sondern auch jede Menge Spaß! Wir springen in Schneeberge, unternehmen Schneeschuhwanderungen, ich fahre viel Langlauf. Unter anderem treffe ich dabei ganz unerwartet auf eine Schanze am Ende eines kleinen Hügels. Man muss dazu sagen: Ich hätte nicht gedacht, dass ich an dem kurzen Abhang auf eine derartige Geschwindigkeit kommen würde! Gerade an schwierigeren Stellen ist es sehr wichtig, mir einzureden, dass ich nicht hinfallen werde. Denn sobald der Gedanke daran aufkommt, falle ich auch hin – garantiert! Ich sage also mein Mantra auf: Ich werde aufrecht ankommen. 

Noch während ich so an Fahrt gewinne und positiv denke, sehe ich dann plötzlich diese Schanze. Derartige Wölbungen ergeben sich manchmal in der Schneemobilspur; je nach Untergrund und unregelmäßiger Fahrtgeschwindigkeit. Doch dort am Ende meiner Abfahrt erscheint sie mir gänzlich ungünstig. Langsam wird mir klar, dass ich nicht bremsen kann und es bleibt mir nichts anderes übrig, als zielgerichtet darauf zuzuberettern. Da kommt er doch, der Gedanke: Das kann nicht gut gehen! Ich gehe leicht in die Knie, beuge mich jedoch in letzter Sekunde nach hinten – denn der linke Ski berührt plötzlich den Boden nicht mehr. Bevor ich also den Sturz nach vorne auf die schmalen Langlaufskier riskiere, wähle ich lieber die durchaus weichere Landung auf meinen vier Buchstaben. Immerhin habe ich mich noch nie zuvor im Schanzen geübt…Am Ende schaue ich kurz verdutzt, blicke zurück auf die Schanze und muss lachen. Ich bin erstaunlich weit geflogen und außer ein paar blauer Flecke ist nichts kaputt gegangen. Es steht fest, dass ich das unbedingt nochmal machen muss!

Außer unserer AirBnB-Gäste waren auch ein paar private Gäste zu Besuch. Eine alte Freundin hat mit ihrer von Schweden begeisterten Tochter eine kleine Auszeit gebraucht. Sowas lieben wir ja eh – so eine Auszeit – die braucht echt jeder mal! Es macht wirklich spaß, Birgit und Hannah die Umgebung zu zeigen, da die Begeisterung sichtbar groß ist und die zwei jeden Tag auf neue Abenteuer aus sind. Auch mit Leonie haben wir viel Spaß. Sie ist eine ehemalige Schülerin der Schule, an der wir zuletzt unterrichtet haben. Da Hannah und Leonie ganz unabhängig voneinander große Pferdefans sind, trifft es sich gut, dass wir beide Male unseren Freund Bob besuchen, der zwei wunderschöne Pferde hat. 

Das Fotofieber hat uns inzwischen so richtig gepackt. Es kennt kaum noch Grenzen! Wir müssen uns förmlich zwingen, nicht vom Frühstückstisch wegzurennen, denn gerade um die Zeit sind alle da: Die Meisen, die Eichhörnchen, die Eichelhäher, Elstern und Dompfaffen. Glücklicher Weise geht die Sonne bald genug auf, um schon vor dem Frühstück eine Runde um den See zu drehen, dann nimmt das wenigstens nicht auch noch Zeit weg. Mit dem Fotoapparat draußen zu sein, ist halt so eine Sache, weil dabei die Zeit ganz leicht in Vergessenheit gerät. Aber was soll‘s, die To-Do‘s laufen schließlich nicht weg; die Eichhörnchen allerdings schon…

Es ist wirklich unglaublich, wie schnell die Tage länger werden! Es ist gerade einmal der 5. März und die Sonne geht schon um fünf auf und erst um 7 wieder unter. Schon erreicht sie eine Stunde später die Dachkante unseres Hauses. Die Zeit beginnt, in der sich die sonnigen Wintertage häufen. Die Temperaturen von minus 10 Grad fühlen sich mit der Wärme der Sonnenstrahlen fast wie T-Shirtwetter an. 

Das Nordlicht der vergangenen Nächte stellt alles, was wir bisher hier gesehen haben, in den Schatten. Hätten wir es nicht selbst gesehen, würden wir es nicht glauben! Gerade letzte Nacht, als ich schon wieder rein gehen will, weil ich denke: jetzt ist es vorbei, geht es plötzlich richtig ab! Schon hatte ich meine Kamera samt Stativ zum Abgang bereit, da kommt nochmals eine große, weiße Spirale direkt über mir auf. Die Formen sehen aus wie ein tanzender Engel, also bleibe ich nochmals stehen und bereite die Kamera vor. Aber plötzlich geht alles so schnell! Die Spirale leuchtet in hellstem Grünton auf und breitet sich in Sekundenschnelle über den ganzen Himmel aus! Pinke, rote und Violette Streifen tauchen auf und tanzen, was das Zeug hält. Der Himmel brennt und ich bin viel zu aufgeregt, um noch irgendein vernünftiges Foto zu machen. Wie gut, dass Tobi mit seiner Kamera auch draußen ist und einen kühlen Kopf bewahrt. Oft ist es ja so, dass die Belichtungszeit und die Lichtempfindlichkeit für gute Nordlichtaufnahmen sehr hoch sein müssen. Dann sieht die Kamera mehr als das menschliche Auge und die Fotos kommen viel intensiver raus, als das, was man tatsächlich gesehen hat. Nicht so letzte Nacht! Die Fotos zeigen das, was wir tatsächlich gesehen haben, nur, dass sie leider die Tanzbewegungen nicht zeigen können. 

Die Herausforderung einer positiven Grundeinstellung

Meine Kamerakompetenz wächst nur langsam und ich brauche noch viel mehr Wissen und Übung. Aber ich lasse nicht locker. Es gibt so viele Bereiche, die mich interessieren und in denen ich mein Wissen und Können ausbauen möchte: das Gärtnern, das Backen, Sprachen, und so vieles mehr und ich freue mich über jeden noch so kleinen Erfolg. Allerdings gibt es auch Zeiten, in denen Frust und Trotz meine Horizonterweiterung völlig blockieren. Darf ich ganz ehrlich sein? Anfangs hat es mir so richtig gestunken, dass Tobi mit einer solchen Leichtigkeit immer bessere Fotos hinbekommt! Inzwischen habe ich diese Negativität überwunden und ich freue mich über jedes seiner tollen Bilder. Eine Frage der Einstellung… Dass ich mich mit Tobi über seine gelungenen Schnappschüsse ehrlich freuen kann, hilft mir dabei, meine eigenen Erfolge besser wertzuschätzen. Beides, Erfolg und Misserfolg, gehört dazu und ist – wie Licht und Schatten – eng miteinander verbunden. Manchmal, wenn ich hart an meiner positiven Einstellung arbeite, gelingt es mir, das zu akzeptieren. Dann kann ich Misserfolge in eine Art Ansporn umwandeln und ich schaffe es, den Trotz zu überlisten. Dieser Zustand ist die pure Motivation.  

Light shines on the godly, and joy on those whose hearts are right. Psalms 97,11

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